Habe mir heute Morgen das Museum angeschaut, das dem slowakische Nationalaufstand (SNP) von 1944 gewidmet ist. Es liegt bei mir um die Ecke, 500 m vom Hotel entfernt. Die Ausstellung lässt mich ratlos zurück.
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| Das Museum für den slowakischen Nationalaufstand |
Wofür steht dieser Aufstand? Die Slowakei wurde seit 1938 von einer Hitler-Deutschland nahe stehenden Regierung regiert. Den Menschen ging es vergleichsweise gut, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Sie waren ja kein besetztes Land. Warum fangen die Slowaken ein halbes Jahr vor Kriegsende, dass bereits absehbar war, an, gegen das autoritäre, aber relativ erträgliche Regime des Jozef Tiso militärisch vorzugehen?
Das kostet 20.000 Menschen das Leben, ohne dass der Kriegsverlauf merklich beeinflusst wurde. Hat sich das gelohnt? Eine Antwort darauf habe ich in dieser Ausstellung nicht gefunden.
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| Vor dem Museum steht erst mal ein Flugzeug der Roten Armee. War das der "Nationalaufstand"? |
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| Im Eingang des Museums wird der Besucher von einem alten Mercedes begrüßt! |
Die Exponate der Ausstellung zeigen zahllose Pistolen, Gewehre, Uniformen und Filmausschnitte von irgendwelchen Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieg. Angefangen mit Bildern von der Eroberung der Mandschurei durch die Japaner über Panzer im Einsatz und schießenden Soldaten bis hin zu aufgehängten Partisanen und fürchterlichen Bildern aus Konzentrationslager. In der Slowakei und auch in Tschechien gab es keine KZ. Aber natürlich Juden, die verschleppt und umgebracht wurden. Da hat das Regime mitgemacht, was bei den Slowaken überhaupt nicht gut ankam, jedenfalls nach Wikipedia.
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| Viele Uniformen verschiedener Nationen, Alltagsgegenstände, Gewehre werden gezeigt. |
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| Ich denke mir: Ist ja ganz schön, aber was hat das mit dem Aufstand zu tun? |
Dazu hervorgehobene Parolen von Hemingway („ein Mann kann zerstört werden, aber nicht besiegt“) und J.F. Kennedy, fett in Stein gemeißelt. Das können doch nicht die Leitmotive der Aufständischen gewesen sein? Gab es denn keine slowakischen Führer, Ideologen, Theoretiker, die den Aufstand anleiteten, eine Richtung gaben?
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| Am Tisch kann man Churchill, Truman, De Gaulle erkennen, der klassenbewußte Prolet schlägt dazwischen. |
Die nicht-kommunistischen Anführer des Aufstandes, und das waren die allermeisten - die Slowaken waren (sind?) konservativ, christlich, bürgerlich - wurden später von den siegreichen Kommunisten verfolgt und eingesperrt. Und es gab nach dem Krieg Verfolgung von slowakischen Bürgern deutscher Herkunft, die getötet wurden, einfach nur weil sie Deutsche waren.
Viel Böses Blut wurde da noch im Nachhinein geschaffen.
Bei Wikipedia heißt es zum Stichwort SNP u.a:
„In einer repräsentativen Umfrage von 2003 belegt der Slowakische Nationalaufstand unter den positiven historischen Ereignissen nach 1918 den vierten Platz. ... Unter den am meisten geschätzten Feiertagen belegt der des Slowakischen Nationalaufstands ebenfalls den vierten Platz. Als das stärkste Symbol wurde von 51 % das Tatra-Gebirge genannt, gefolgt vom christlichen Kreuz (25 %), der Burg Devín (23 %), dem slowakischen Doppelkreuz (21 %) – und dem Denkmal des Slowakischen Nationalaufstands in Banská Bystrica (12 %) als einzigem Symbol der Zeitgeschichte.“
Das Tatra-Gebirge! Dafür stirbt man doch nicht!
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| Auf dem Vorplatz sind gut erhaltene Panzer, Kanonen, Panzerzüge ausgestellt, deutsche, russische, slowakische. Es wirkt auf mich etwas willkürlich, welches Gerät hier steht. Aber das kann natürlich auch an meinen Sprachproblemen liegen. |
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Am Nachmittag schaue ich mir in Hronsek, 6 km südlich von BB eine "Artikularkirche" an. Damit hat es folgendes auf sich:
"Artikularkirche ist die Bezeichnung evangelischer Holzkirchen in der Slowakei (früher Oberungarn).
Die Türkenangriffe zwangen Kaiser Leopold I., den protestantischen Christen gewisse Freiheiten einzuräumen. Daher durften evangelische Gemeinden nach den Beschlüssen des Ödenburger Landtages von 1681 außerhalb der Stadtmauern auf einem festgelegten Standort Kirchen errichten, die weder Turm noch Glocken haben durften. Sie mussten ohne Steine, Ziegel und Metallnägel gebaut werden (Beschlüsse »Artikuli« 25 und 26). Zusätzlich sollte nur eine Kirche in jeder königlichen Freistadt und höchstens zwei Kirchen in jedem Komitat erbaut werden."
Die Hoffnung war, dass durch diese Auflagen keine haltbaren Kirchen zu Stande kämen. Aber für die Schreiner und Architekten war das eine besondere Herausforderung.
Jetzt seht Euch, was dabei herausgekommen ist:
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| Die Artikularkirche von Hronsek, ganz aus Holz, erbaut 1764 |
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| Da passen 1100 Menschen rein! |
Leider war die Kirche geschlossen als ich sie besuchte. Das Innenfoto habe ich von Wikipedia kopiert.
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