Montag, 22. Januar 2018

Fazit und Schluß

Nach fünf Tagen in der Slowakei kann es natürlich nur einen ganz subjektiven, individuellen Eindruck geben.

Was soll man von einem Volk halten, dass im Jahre 623 von dem fruchtbaren Samo und seinen 13 Frauen begründet wird und dann im Jahre 1848 wieder an der Oberfläche der Weltgeschichte auftaucht, indem es sich eine Grammatik gibt und einen Volksaufstand gegen die Ungarn organisiert?

1200 Jahre dazwischen firmiert das Völkchen als Mähren, großmährisches Reich, Habsburg oder Oberungarn. Und dann sind sie da und wollen einen eigenen Staat. 
Skurrile Geschichte! Beharrlich, eigenwillig und ein unglaublicher Überlebenswille, so wirkt das auf mich.

Dabei sind die Menschen, die ich getroffen habe, zurückhaltend, bescheiden und wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt, ausgesprochen freundlich und offen. Das Land ist ein Kleinod mit einer wunderschönen, ursprünglichen Landschaft, die es so in ganz Westeuropa nicht mehr gibt. Vielleicht noch weiter ostwärts, aber das kenn ich nicht.

Die Städtchen, die ich gesehen habe, haben jahrhundertealte Innenstädte, deren Bausubstanz sorgsam gepflegt wird und die lebendig sind, also keine sterilen Museen.

Darum herum sieht man die Sünden der Industrialisierung, sei’s aus der Zeit des Sozialismus, sei’s die Jetztzeit des Kapitalismus. 

Da sind wir wieder bei der Frage, ob wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand nicht auch funktionieren können, ohne Natur und kulturelles Erbe zu zerstören.

Ganz platt gesagt: 
Für Bornheim hat sich diese Frage leider weitgehend erledigt, für Banska Stiavnica (Schemnitz) gibt es noch Hoffnung. Bis jetzt haben sie es gut hinbekommen. 

Ich komme gerne wieder und möchte mehr von diesem Land erfahren!






Samstag, 20. Januar 2018

SNP = Slovenské národné povstanie

Habe mir heute Morgen das Museum angeschaut, das dem slowakische Nationalaufstand (SNP) von 1944 gewidmet ist. Es liegt bei mir um die Ecke, 500 m vom Hotel entfernt. Die Ausstellung lässt mich ratlos zurück.

Das Museum für den slowakischen Nationalaufstand

Wofür steht dieser Aufstand? Die Slowakei wurde seit 1938 von einer Hitler-Deutschland nahe stehenden Regierung regiert. Den Menschen ging es vergleichsweise gut, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Sie waren ja kein besetztes Land. Warum fangen die Slowaken ein halbes Jahr vor Kriegsende, dass bereits absehbar war, an, gegen das autoritäre, aber relativ erträgliche Regime des Jozef Tiso militärisch vorzugehen?



Das kostet 20.000 Menschen das Leben, ohne dass der Kriegsverlauf merklich beeinflusst wurde. Hat sich das gelohnt? Eine Antwort darauf habe ich in dieser Ausstellung nicht gefunden.



Vor dem Museum steht erst mal ein Flugzeug der Roten Armee. War das der "Nationalaufstand"?


Im Eingang des Museums wird der Besucher von einem alten Mercedes begrüßt!


Die Exponate der Ausstellung zeigen zahllose Pistolen, Gewehre, Uniformen und Filmausschnitte von irgendwelchen Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieg. Angefangen mit Bildern von der Eroberung der Mandschurei durch die Japaner über Panzer im Einsatz und schießenden Soldaten bis hin zu aufgehängten Partisanen und fürchterlichen Bildern aus Konzentrationslager. In der Slowakei und auch in Tschechien gab es keine KZ. Aber natürlich Juden, die verschleppt und umgebracht wurden. Da hat das Regime mitgemacht, was bei den Slowaken überhaupt nicht gut ankam, jedenfalls nach Wikipedia.



Viele Uniformen verschiedener Nationen, Alltagsgegenstände, Gewehre werden gezeigt.


Ich denke mir: Ist ja ganz schön, aber was hat das mit dem Aufstand zu tun?

Dazu hervorgehobene Parolen von Hemingway („ein Mann kann zerstört werden, aber nicht besiegt“) und J.F. Kennedy, fett in Stein gemeißelt. Das können doch nicht die Leitmotive der Aufständischen gewesen sein? Gab es denn keine slowakischen Führer, Ideologen, Theoretiker, die den Aufstand anleiteten, eine Richtung gaben?



Am Tisch kann man Churchill, Truman, De Gaulle erkennen, der klassenbewußte Prolet schlägt dazwischen.
Die nicht-kommunistischen Anführer des Aufstandes, und das waren die allermeisten - die Slowaken waren (sind?) konservativ, christlich, bürgerlich - wurden später von den siegreichen Kommunisten verfolgt und eingesperrt. Und es gab nach dem Krieg Verfolgung von slowakischen Bürgern deutscher Herkunft, die getötet wurden, einfach nur weil sie Deutsche waren. 

Viel Böses Blut wurde da noch im Nachhinein geschaffen.

Bei Wikipedia heißt es zum Stichwort SNP u.a:
„In einer repräsentativen Umfrage von 2003 belegt der Slowakische Nationalaufstand unter den positiven historischen Ereignissen nach 1918 den vierten Platz.  ... Unter den am meisten geschätzten Feiertagen belegt der des Slowakischen Nationalaufstands ebenfalls den vierten Platz. Als das stärkste Symbol wurde von 51 % das Tatra-Gebirge genannt, gefolgt vom christlichen Kreuz (25 %), der Burg Devín (23 %), dem slowakischen Doppelkreuz (21 %) – und dem Denkmal des Slowakischen Nationalaufstands in Banská Bystrica (12 %) als einzigem Symbol der Zeitgeschichte.“


Das Tatra-Gebirge! Dafür stirbt man doch nicht!


Auf dem Vorplatz sind gut erhaltene Panzer, Kanonen, Panzerzüge ausgestellt, deutsche, russische, slowakische. Es wirkt auf mich etwas willkürlich, welches Gerät hier steht. Aber das kann natürlich auch an meinen Sprachproblemen liegen.

****

Am Nachmittag schaue ich mir in Hronsek, 6 km südlich von BB eine "Artikularkirche" an. Damit hat es folgendes auf sich:

"Artikularkirche ist die Bezeichnung evangelischer Holzkirchen in der Slowakei (früher Oberungarn).

Die Türkenangriffe zwangen Kaiser Leopold I., den protestantischen Christen gewisse Freiheiten einzuräumen. Daher durften evangelische Gemeinden nach den Beschlüssen des Ödenburger Landtages von 1681 außerhalb der Stadtmauern auf einem festgelegten Standort Kirchen errichten, die weder Turm noch Glocken haben durften. Sie mussten ohne Steine, Ziegel und Metallnägel gebaut werden (Beschlüsse »Artikuli« 25 und 26). Zusätzlich sollte nur eine Kirche in jeder königlichen Freistadt und höchstens zwei Kirchen in jedem Komitat erbaut werden."


Die Hoffnung war, dass durch diese Auflagen keine haltbaren Kirchen zu Stande kämen. Aber für die Schreiner und Architekten war das eine besondere Herausforderung.

Jetzt seht Euch, was dabei herausgekommen ist:


Die Artikularkirche von Hronsek, ganz aus Holz, erbaut 1764



Da passen 1100 Menschen rein!
Leider war die Kirche geschlossen als ich sie besuchte. Das Innenfoto habe ich von Wikipedia kopiert.



Danach schaute ich mir noch die "Lubciansky Hrad", eine Burg an. Sie ist im Sommer geöffnet und steht für Veranstaltungen zur Verfügung.

Wir reinschauen will: http://www.hradlupca.sk/en


Eindrucksvoll: Die Lubciansky-Burg, 20 km vor Banska-B.



Bela IV, ein ungarischer Adliger hat sie errichten lassen

Gebaut im 13. Jahrhundert. Bei dem Wetter ein kühles Plätzchen!

Ich bin hochgelaufen, aber leider war die Burg geschlossen.


Freitag, 19. Januar 2018

Banska Bystrica

Gestern habe ich mich nach dem Besuch des Museums über die Türkenkriege noch damit beschäftigt, wie groß wohl die Ausdehnung des osmanischen Reiches war. Es reichte nicht nur bis kurz vor Schemnitz im Norden, sondern auch im Süden bis weit nach Afrika hinein, bis in den Sudan und ans Rote Meer. Das ist immerhin 2000 km von der Türkei entfernt.

Und heute Morgen lese ich in der FAZ Folgendes:


„Was hat all das mit der kleinen Insel Suakin zu tun? Im Dezember hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Sudan besucht. Dort schloss er mehrere Wirtschaftsabkommen im Wert von 650 Millionen Dollar. Daneben vereinbarten er und Khartoum einen Ausbau der militärischen Zusammenarbeit. Für die meisten Schlagzeilen in der arabischen Welt sorgte jedoch die Entscheidung, Suakin für 99 Jahre an die Türkei zu verpachten. 
Zu dem Aufsehen trug auch Erdogans Wortwahl bei. In Anspielungen auf die Zeit, in der das Osmanische Reich große Teile Arabiens und des Roten Meers kontrollierte, sprach er von einer „Wiedergeburt“. Offiziell plant die Türkei, die osmanische Altstadt Suakins wiederaufzubauen und die Insel zu einem Touristenort zu entwickeln. Türkische Mekka-Pilger sollen Suakin besuchen und von dort über das Rote Meer nach Saudi-Arabien reisen. Allerdings sind die Befürchtungen in benachbarten Ländern groß, dass Ankara in Suakin in Wahrheit eine Militärbasis errichten will – ein grundsätzliches Abkommen zum Bau eines auch militärisch nutzbaren Hafens in Sudan durch die Türkei wurde im Dezember auch geschlossen. Es wäre die dritte türkische Basis rund um die Arabische Halbinsel: Erst im vergangenen September hat die Türkei einen Stützpunkt in Somalia mit 300 Soldaten in Betrieb genommen.“
FAZ, 19.1.2018, Seite 10

Wiedergeburt des Osmanischen Reiches - und der Mann will in die EU!

***

Nach 2 wunderschönen, zauberhaften Tagen in Banska Slibowitz (ich kann es mir einfach nicht merken) verlasse ich mein Zimmer im Hotel Salamander, dass wie der Ort selber viel Patina hat, viel altes Holz, viel alte Pracht. Jetzt kommt es einfach und gemütlich daher. Ich habe mich sauwohl gefühlt.

Ich fahre an Zvolen vorbei und schaue mir den Marktplatz an. Zvolen, auf deutsch Alt-Sohl, hat ein nicht sehr schönes Schloß am Kopf des Marktplatzes, der von zwei lange Baumreihen bewachsen ist, zwischen denen viele Menschen laufen und oft Kindewägen schieben. Rechts und links gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, mehrere Kirchen und in der Mitte eine Eisbahn. Ansonsten realsozialistische Zweckbauten, die im Laufe der Jahre auch nicht schöner werden. 




Der Markplatz von Zvolen
Kinder schauen gebannt auf die Eisbahn

Ich fahre weiter nach Banska Bystrica, auch Neu-Sohl genannt, ca. 85.000 Einwohner. Mein erster Eindruck: schöne Innenstadt rund um den riesigen Marktplatz, häßliche Umgebung. Also in der Beziehung ähnlich wie Zvolen. 

Mein Hotel "Urpin City" liegt zentral, ist von außen eher neumodisch, hat aber tolle Zimmer und sogar eine Küchenzeile mit allem drum und dran. Fast wie eine Ferienwohnung. Ich gehe erstmal einkaufen, hole Eier und Speck und brate mir ein paar Spiegeleier, wozu ich ein köstliches Original Pilsner Urquell trinke, 0,5 Liter 1 Euro.

Mit dem Essen gehen ist es nämlich so eine Sache. Man müßte halt die Speisekarte verstehen und das tu ich nicht. Außerhalb der Saison stehen oft nur die slowakischen Begriffe auf der Karte und ob die Bedienung deutsch spricht, weiß ich vorher natürlich nicht. Im Supermarkt sehe ich, was ich kaufe, ist viel einfacher.



Der Marktplatz von Banska Bystica

Ein paar Schritte außerhalb des Marktes sieht es so aus.

Solche Bauten muß man mögen. Hinten das Mahnmal für den SNP-Aufstand.

Die Kinder haben ihren Spaß

Ich laufe dreimal um den Marktplatz und komme dann am Denkmal und dem Museum vorbei, die dem Aufstand gegen die Nazis bzw. gegen deren slowakischen Statthalter Jozef Tiso gewidmet sind. Der Aufstand, Slowakischer Nationalaufstand (SNP), scheiterte 1944, es gab viele Tote, 20.000. Die Wehrmacht besetzte Banska Bystrica, schlug den Aufstand nieder und verwüstete aus Rache mehrere Dörfer vollständig, weil diese die Partisanen unterstützt hatten.
"Die Lebenden stehen auf den Toten" soll das Mahnmal vielleicht ausdrücken
Im Reiseführer heißt es dann lapidar: "Die heutige Forschung belegt, dass der verfrühte Beginn des SNP von sowjetischen Partisanen provoziert wurde. Stalin hatte kein Interesse daran, dass sich die Slowakei aus eigener Kraft ihrer Peiniger entledigte", (Slowakei, Michael Müller Verlag, S. 231).


Im Gegensatz zu Schemnitz sind hirt viele Menschen unterwegs, es ist ja auch normaler Werktag. Die Straßen sind mit Schneematsch bedeckt, die Bürgersteige meistens nicht geräumt, man muß sehr aufpassen, dass man sich nicht hinlegt.

Soweit ich mit Menschen ins Gespräch komme, sind diese sehr freundlich und unterhalten sich gerne und ausführlich mit mir. Keine Hektig, in aller Ruhe. Die Entwicklung in Deutschland wird aufmerksam verfolgt, ein Mitarbeiter des Tourismusbüros war erstaunlich gut und aktuell informiert. Er guckt immer ARD, sagt er.

Wenn ich dann abends alleine in der Ecke in einer Kneipe sitze, ist mir klar, der Zugang zu den Menschen geht über die Sprache. Wenn ich länger hier wäre, müßte ich sie mir aneignen. 




Donnerstag, 18. Januar 2018

Türkenkrieg

Heute morgen zeigt sich Schemnitz von seiner besten Seite: die Sonne strahlt!
Am Nachmittag ist es aber schon wieder diesig und es schneit.


So schön sieht es heute aus!


Schemnitz, Banska Stiavnica, war, ist eine reiche Stadt. Das sieht man an den vielen prächtigen, eindrucksvollen Gebäuden. Mir sind schon in Niederbayern die mächtigen Häuser aufgefallen, die deutlich größer sind als in andern Teilen Deutschlands. Aber hier packen sie noch mal was drauf. Und es sind schöne, harmonische, gelungene Geäude. Eine kleine Auswahl habe ich hier geknipst.


Der Reichtum stammt vom Bergbau. Gold- und Silberadern traten zu Tage und wurden geschürft. Immer tiefer gruben sich die Schächte in den Berg. Hier wurde das erste Mal Schießpulver verwendet, um zu sprengen. Hier wurde der "Hund" erfunden, die Lore, die den Abraum aus dem Berg befördert. Hier wurde dann auch unter Maria Theresia eine Bergakademie gegründet, um Fachkräfte für den Bergbau auszubilden für das ganze Habsburger Reich.

Die Minen sind mittlerweile versiegt, der Bergbau wurde eingestellt, die Akademie wurde nach Ungarn verlegt.

Heutel lebt der Ort hauptsächlich vom Tourismus - und das nicht schlecht.

 
Die St. Katherinenkirche mitten im Ort


Der Dreifaltigkeitsplatz mit der Pestsäule (verdeckt). 
Sie erinnert an 6.000 Tote, die 1710 durch die Pest starben.





Blick über die Dächer


Der Kalvarienberg
"Ein Kalvarienberg, auch Stationsberg, ist die Bezeichnung für umfangreiche Nachbildungen der Passion Christi, die als Andachts- und Wallfahrtstätten dienen." (Wikipedia)



Man sieht hier die Stationen.
Ich habe es aber nur aus der Ferne fotografiert, war nicht selber da.








Das Neue Schloß, in dem sich eine Ausstellung über die Türkenkriege befindet.
Die habe ich mir angesehen. 
 Ein Bild aus der Ausstellung


Die Türken kamen bis 40 km vor Schemnitz. Die Städte wappneten sich, die Kirchen und Schlösser wurden zu Festungen ausgebaut. Die Erinnerungen müssen traumatisch sein, ähnlich wie der 30-jährige Krieg in Deutschland.

Wenn man sich anschaut, wie weit das osmanische Reich in Europa reichte, dann sieht man, dass die Türken ganz Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Serbien und Teile von Österreich, Tschechien, der Slowakei und Polens beherrschten.

So gesehen wundert es nicht, dass vier dieser Staaten heute die Front bilden, die die Aufnahme der vorwiegend muslimischen Flüchtlinge ablehnt. Die Viesegrad-Staaten sind Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei und wie Österreich dazu steht, macht ja Kanzler Kurz gerade bei seinem Antrittsbesuch in Berlin klar.

Ich glaube, wer diese Staaten dazu zwingt, Flüchtlinge aufzunehmen, spaltet die EU. Es sind nicht nur die Regierungen, die dies ablehnen, es sind die Bevölkerungen dieser Länder, die ebenfalls strikt dagegen sind. Und das dürfte neben aktuellen wirtschaftlichen Problemen mit der Erfahrung der Türkenkriege zusammen hängen.



Friedhof unterhalb des Neuen Schlosses

Ursprünglich eine Basilika, die zur Zeit der Türkenkriege zur Festung ausgebaut wurde. 
Die Schießscharten sind deutlich zu sehen.


Das Rathaus

Jetzt ist es wieder dunkel und es schneit. Keine düsteren Bilder mehr!



Doch eins noch. Weil es toll aussieht und weil das Licht die Nacht noch Nacht sein läßt.




Mittwoch, 17. Januar 2018

Banska Stiavnica

Zur Frage, was für ein Volk die Slowaken sind, habe ich eine schnelle Antwort erhalten, von jemandem, der es wissen muss. Von Michael, der in der Slowakei geboren ist und der mir auch die Tipps für meine kleine Rundreise gegeben hat. Er schreibt:

Slowaken sind ein Volk, und wie viele kleine Völker ziemlich nationalistisch. Es gibt eine Sage, wie sie entstanden sind, ein Kaufmann Namens Samo hat an diesem Gebiet in 6. Jahrhundert das erste "slawische (slowakische) Reich" gegründet, das ist historisch bewiesen, bzw. lernte man bei uns in der Schule. Das Nationalbewusstsein wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts geweckt, die Grammatik erst Mitte des 18. Jahrhundert erstellt. Alles so im Zusammenhang mit den Aufständen 1848. Es ist eine zu lange Story, um die jetzt zu schreiben, aber ich erzähle sie dir gerne beim Glas, auch bei zwei Gläsern Wein. Wobei, das habe ich vergessen, dass in Bratislava , wo die Karpaten beginnen, auch Wein wächst, ähnlicher dem in der Wachau, oder Wien und in der Jugend meine Lieblingssorten waren: Riesling und Grüner Veltliner. Prost = na zdravie!“

Laut Wikipedia sind die historischen Beweise nicht so ganz eindeutig. Es klingt ziemlich kompliziert. Die Slawen spielten eine wichtige Rolle, ebenso die Franken, die Langobarden und natürlich die Ungarn. Sowie das Kaganat, das Reich der Awaren.

Wer mag, kann mal unter dem Stichwort „Samo“ in Wikipedia nachschauen, was es da so gibt. Jedenfalls hatte dieser Samo 22 Kinder von 13 verschiedenen Frauen, was ja auf jeden Fall schon mal eine Leistung ist. Vielleicht kam er aus Franken, vielleicht aus Frankreich, vielleicht war er auch ein Sklavenhändler, der von den Slawen seine Ware holte.

Das soll hier genügen, der Rest wird endgültig und historisch einwandfrei beim Wein geklärt!


Am Vormittag bin ich von Sankt Pölten losgefahren, bei Schneetreiben. Ich fahre an Bratislava vorbei, das schemenhaft auftaucht. Von der Autobahn aus ist die Stadt ziemlich voll gepackt mit Hochhäusern, Plattenbauten, und riesigen Werbetafeln, die die Landschaft verschandeln.







Ziemlich diesig, aber die Hofburg von Bratislawa ist gut erkennbar.

Später wird es ruhiger, als ich die Autobahn verlasse, tauchen kleine Dörfer auf, die einen malerischen Eindruck machen. Relativ flache in den Boden gedrückt der Häuser, keine Bürgersteige, aber viel Platz und grün zwischen den Häusern. So müssen die Dörfer im Habsburger Reich ausgesehen haben!

Verschiedentlich sehe ich Schulbusse und Kinder mit Schulranzen auf dem Rücken, die durch den Schnee stapfen.

Die Landschaft wird einsamer. Es geht bergauf. Das Schneetreiben nimmt zu. Die Straße wurde mal geräumt, aber durch das Schneetreiben ist sie jetzt mit Schnee bedeckt und ich muss langsam fahren. Ich nähere mich den Schemnitzer Bergen. Ich kann jetzt nur noch Tempo 40 fahren, enge Kurven durch den Schnee, links und rechts kahle, schwarze Bäume. Ich bin jetzt seit 20 Minuten keinem Auto begegnet. Was ist, wenn ich liegen bleibe? Ich hänge Gedanken nach, die von alleine kommen. Ob sich Napoleon so gefühlt hat auf dem Rückweg von Moskau, also er von General Winter überwältigt wurde? Was die deutschen Landser wohl gefühlt haben als sie vor Stalingrad lagen, in eisiger Kälte und ihnen die Hoffnungslosigkeit ihre Lage bewusst wurde?

Was will ich hier eigentlich? Warum bin ich nicht im beschaulichen Sankt Pölten geblieben oder im gemütlichen Wien? Oder überhaupt zu Hause. Ob es in dem Ort, ich kann mir den Namen Banská Stiavnica so schwer merken, Schemnitz geht viel leichter, überhaupt ein Hotel gibt, das offen hat und ein Restaurant, wo es noch was zu essen gibt?

Dann trifft mich der Schlag. Auf einmal taucht eine wunderschöne, malerische Kleinstadt auf mit großen Patrizier-Häusern im Habsburger Ockerton gehalten, großen Festungsanlagen und eine steilen Straße hinab quer durch den Ort. Ich bin baff. Damit habe ich nicht gerechnet!

Großartig, imposant, herrlich altmodisch, aber intakt und gepflegt!

Ich beziehe ein Zimmer im Hotel Salamander und unterhalte mich länger mit der Rezeptionistin, die aus dem Ort stammt und gut deutsch spricht. Außer mir ist nur noch ein Hotelgast einquartiert. Das Zimmer kostet 35 €, fünf Euro das Frühstück. Das Hotel ist gediegen traditionell eingerichtet und macht einen ehrwürdigen Eindruck. Ich bin glücklich!

Eines der vielen, markanten Gebäude in Banska Stiavnica (geht doch!)
So sieht es hier aus!

Blick über die Dächer


Brauhaus Erb, gutes Bier!