Freitag, 19. Januar 2018

Banska Bystrica

Gestern habe ich mich nach dem Besuch des Museums über die Türkenkriege noch damit beschäftigt, wie groß wohl die Ausdehnung des osmanischen Reiches war. Es reichte nicht nur bis kurz vor Schemnitz im Norden, sondern auch im Süden bis weit nach Afrika hinein, bis in den Sudan und ans Rote Meer. Das ist immerhin 2000 km von der Türkei entfernt.

Und heute Morgen lese ich in der FAZ Folgendes:


„Was hat all das mit der kleinen Insel Suakin zu tun? Im Dezember hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Sudan besucht. Dort schloss er mehrere Wirtschaftsabkommen im Wert von 650 Millionen Dollar. Daneben vereinbarten er und Khartoum einen Ausbau der militärischen Zusammenarbeit. Für die meisten Schlagzeilen in der arabischen Welt sorgte jedoch die Entscheidung, Suakin für 99 Jahre an die Türkei zu verpachten. 
Zu dem Aufsehen trug auch Erdogans Wortwahl bei. In Anspielungen auf die Zeit, in der das Osmanische Reich große Teile Arabiens und des Roten Meers kontrollierte, sprach er von einer „Wiedergeburt“. Offiziell plant die Türkei, die osmanische Altstadt Suakins wiederaufzubauen und die Insel zu einem Touristenort zu entwickeln. Türkische Mekka-Pilger sollen Suakin besuchen und von dort über das Rote Meer nach Saudi-Arabien reisen. Allerdings sind die Befürchtungen in benachbarten Ländern groß, dass Ankara in Suakin in Wahrheit eine Militärbasis errichten will – ein grundsätzliches Abkommen zum Bau eines auch militärisch nutzbaren Hafens in Sudan durch die Türkei wurde im Dezember auch geschlossen. Es wäre die dritte türkische Basis rund um die Arabische Halbinsel: Erst im vergangenen September hat die Türkei einen Stützpunkt in Somalia mit 300 Soldaten in Betrieb genommen.“
FAZ, 19.1.2018, Seite 10

Wiedergeburt des Osmanischen Reiches - und der Mann will in die EU!

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Nach 2 wunderschönen, zauberhaften Tagen in Banska Slibowitz (ich kann es mir einfach nicht merken) verlasse ich mein Zimmer im Hotel Salamander, dass wie der Ort selber viel Patina hat, viel altes Holz, viel alte Pracht. Jetzt kommt es einfach und gemütlich daher. Ich habe mich sauwohl gefühlt.

Ich fahre an Zvolen vorbei und schaue mir den Marktplatz an. Zvolen, auf deutsch Alt-Sohl, hat ein nicht sehr schönes Schloß am Kopf des Marktplatzes, der von zwei lange Baumreihen bewachsen ist, zwischen denen viele Menschen laufen und oft Kindewägen schieben. Rechts und links gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten, mehrere Kirchen und in der Mitte eine Eisbahn. Ansonsten realsozialistische Zweckbauten, die im Laufe der Jahre auch nicht schöner werden. 




Der Markplatz von Zvolen
Kinder schauen gebannt auf die Eisbahn

Ich fahre weiter nach Banska Bystrica, auch Neu-Sohl genannt, ca. 85.000 Einwohner. Mein erster Eindruck: schöne Innenstadt rund um den riesigen Marktplatz, häßliche Umgebung. Also in der Beziehung ähnlich wie Zvolen. 

Mein Hotel "Urpin City" liegt zentral, ist von außen eher neumodisch, hat aber tolle Zimmer und sogar eine Küchenzeile mit allem drum und dran. Fast wie eine Ferienwohnung. Ich gehe erstmal einkaufen, hole Eier und Speck und brate mir ein paar Spiegeleier, wozu ich ein köstliches Original Pilsner Urquell trinke, 0,5 Liter 1 Euro.

Mit dem Essen gehen ist es nämlich so eine Sache. Man müßte halt die Speisekarte verstehen und das tu ich nicht. Außerhalb der Saison stehen oft nur die slowakischen Begriffe auf der Karte und ob die Bedienung deutsch spricht, weiß ich vorher natürlich nicht. Im Supermarkt sehe ich, was ich kaufe, ist viel einfacher.



Der Marktplatz von Banska Bystica

Ein paar Schritte außerhalb des Marktes sieht es so aus.

Solche Bauten muß man mögen. Hinten das Mahnmal für den SNP-Aufstand.

Die Kinder haben ihren Spaß

Ich laufe dreimal um den Marktplatz und komme dann am Denkmal und dem Museum vorbei, die dem Aufstand gegen die Nazis bzw. gegen deren slowakischen Statthalter Jozef Tiso gewidmet sind. Der Aufstand, Slowakischer Nationalaufstand (SNP), scheiterte 1944, es gab viele Tote, 20.000. Die Wehrmacht besetzte Banska Bystrica, schlug den Aufstand nieder und verwüstete aus Rache mehrere Dörfer vollständig, weil diese die Partisanen unterstützt hatten.
"Die Lebenden stehen auf den Toten" soll das Mahnmal vielleicht ausdrücken
Im Reiseführer heißt es dann lapidar: "Die heutige Forschung belegt, dass der verfrühte Beginn des SNP von sowjetischen Partisanen provoziert wurde. Stalin hatte kein Interesse daran, dass sich die Slowakei aus eigener Kraft ihrer Peiniger entledigte", (Slowakei, Michael Müller Verlag, S. 231).


Im Gegensatz zu Schemnitz sind hirt viele Menschen unterwegs, es ist ja auch normaler Werktag. Die Straßen sind mit Schneematsch bedeckt, die Bürgersteige meistens nicht geräumt, man muß sehr aufpassen, dass man sich nicht hinlegt.

Soweit ich mit Menschen ins Gespräch komme, sind diese sehr freundlich und unterhalten sich gerne und ausführlich mit mir. Keine Hektig, in aller Ruhe. Die Entwicklung in Deutschland wird aufmerksam verfolgt, ein Mitarbeiter des Tourismusbüros war erstaunlich gut und aktuell informiert. Er guckt immer ARD, sagt er.

Wenn ich dann abends alleine in der Ecke in einer Kneipe sitze, ist mir klar, der Zugang zu den Menschen geht über die Sprache. Wenn ich länger hier wäre, müßte ich sie mir aneignen. 




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